PVA: Blush – 2022

Review for PVA – Blush – Album 2022
Facts:
PVA

Artist: PVA
Country of Origin: UK, London
Title: Blush
Format: Album
Label: Ninja Tune
Release Date: Oct. 14, 2022
Genre: Electronica, Alternative, Indie
11 Tracks • 43m 04s

Hi-res 42

At qobuz available in Hi-res
24 Bits / 96 kHz – Stereo

UK-Flag 45

For the English translation of
this review >>> click here <<<

Intro

Am Freitag, 14.10.2022 haben PVA ihr Debutalbum BLUSH bei Ninja Tune veröffentlicht. Das ausnehmend gute Album der Band aus dem Süden Londons vereint den pulsierenden Puls elektronischer Musik mit der rohen Energie eines lebensbejahenden Gigs und offenbart so mehr über das Trio, als sie je zuvor preisgegeben haben.

Die elf mitreißenden Tracks der Truppe, bestehend aus Ella Harris und Josh Baxter (die sich den Gesang, die Synthesizer, die Gitarren und die Produktion teilen) sowie dem Schlagzeuger und Perkussionisten Louis Satchell, basieren auf einer Malange aus Acid, Disco, knalligen Synthesizern mit dem sie den Dancefloor von gehaltlos nichtsagendem Sound von der Stange befreien und mit queer-codiertem Sprechgesang-Post-Punk neue Akzente setzen.

Review

Auf PVA wurde ich erstmals im März 2021 aufmerksam, als sie bei KEXP einen der „Live on KEXP at Home-Gigs“ gespielt hatten. PVA beeindruckten mich damals schon sehr und es war klar, dass man PVA unbedingt auf dem Zettel behalten musste.

Zeitsprung: Oct. 10, 2022. Bei BBC legten PVA mit dem Track „Hero Man“ im Rahmen der „Later with Jools Holland“ einen sensationellen Aufrtitt hin und begeisterten das Publikum restlos. Auch ich war völlig ausdem Häuschen, denn Ella Harris hatte sich seit dem KEXP-Gig, bei dem sie etwas unscheinbar wirkte, zu einer unendlich grandiösen Performerin weiterentwickelt, von der man nicht mehr den Blick lassen kann.

Wie sehr mich das Gesehene beeindruckte, zeigt auch, dass ich nicht davon ablassen konnte, das Album Blush bei qobuz in 24 Bit 96 kHz sofortrt zu erwerben – und das klingt zudem herausragend gut.

Auch Josh Baxter beeindruckt ungemein, der wie ein Derwisch unter Drogen die Synthies und seine elektronischen Gerätschaften ständig umtanzend bedient. Und Louis Satchell schlägt auf seine Drums mit einer schier unglaublichen Präzession und Wucht ein. Kurzum: PVA sind eine berauschend gute Band.

Das eingespielte Trio entstand, als Harris und Baxter 2017 begannen, gemeinsam das zu machen, was sie als „Landfreunde-Techno“ bezeichneten. Einer ihrer ersten Songs entstand, als Ella ihrem neuen Bandkollegen ihre Träume diktierte. Ihre erste Show, Narcissistic Exhibitionism betitelt, fand nur zwei Wochen nachdem sie sich kenngelernt hatten, im The Five Bells Pub in New Cross statt.

Der ganze Abend wurde von Ella kuratiert und bot im Obergeschoss der Location Malerei, Bildhauerei und Fotografie, während im Erdgeschoss Bands auftraten. PVA wurden hierfür als Headliner gebucht.

PVA

Nach dieser frühen Phase rekrutierte PVA dann den Drummer Louis Satchell, um ihre Live-Shows in eine neue Dimension zu heben. Diese energetischen Auftritte verhalfen PVA bei den Londoner Konzertbesuchern zu einem kultigen Ruf, zumal sie zu diesem Zeitpunkt kaum ihren Sound kaum online veröffentlichten.

Die Live-Show zu sehen, war die einzige Möglichkeit die Band erleben und genießen zu können.

Sie etablierten sich neben Squid, Black Midi und Black Country, New Road als wichtige Akteure in der leidenschaftlichen Indie-Szene Südlondons. Dies führte zu Auftritten beim SXSW, Pitchfork Music Festival und Green Man sowie zu nationalen Touren mit Shame, Dry Cleaning und Goat Girl. Doch schon in ihren Anfängen war klar, dass sie nicht nur in einer traditionellen Band bestehen.

Es war nicht ungewöhnlich, sie zweimal an einem Abend zu sehen, einmal im Brixtoner Schwitzkasten The Windmill und ein zweites Mal in den frühen Morgenstunden als DJs in Deptfords unterirdischem Bunker Club.

Die Gruppe veröffentlichte ihre Debütsingle „Divine Intervention“ Ende 2019 über Speedy Wunderground und die Debüt-EP „Toner“ erschien ein Jahr später über Ninja Tune, die Heimat von ähnlich ikonoklastischen Acts wie Young Fathers und Kae Tempest. Die EP enthielt einen Remix von „Talks“ von Mura Masa, der bei der Verleihung 2022 eine GRAMMY-Nominierung in der Kategorie „Best Remixed Recording“ erhielt.

Auf ihrem Debütalbum nehmen PVA dieselbe Energie von ihren Live-Auftritten mit, während sie gleichzeitig einen eigenen unverwechselbaren Sound-Kosmos voller Klangtexturen und und mächtig viel Herz erschaffen. BLUSH ist reich an schwergewichtigen Industrial-Beats, zackigem Punk-Spirit und Momenten der stillen Kontemplation bei Ellas poetischen Erzählformen. Das Album ist unermüdlich, reißt permanent an der Seele des Hörers und verbindet Einflüsse wie Portishead, PC Music, Laurie Anderson und das kultige Rave-Pop-Duo The Pom-Poms mit Leichtigkeit und großer Fingerfertigkeit.

„Wir wollten die Leute überraschen und etwas anderes machen, als nur zu vermitteln, wie wir bei einem Gig klingen“, erklärt Schlagzeuger Louis. „Es ist eine ziemlich ängstliche Platte, die manchmal mit psychischen Problemen zu tun hat, aber auch mit den alltäglichen Ängsten bei der Produktion des Albums. Es war ein steiniger Weg, aber wir haben uns immer wieder aufgerappelt.“ Und besser kann man das kaum hinbekommen. BLUSH ist eines der besten Alben des Jahrers 22.

Das ist der Sound einer Formation, die ständig die an sie gestellten Erwartungen mit einem schnellen Push von Bord kippt und so ein Album abliefert, das ständig kleine Wurmlöcher in neue Klangwelten eröffnet – Erstaunliche Klänge, erstaunliche Musik. Sich einer einfachen Kategorisierung zu widersetzen, dies mag für PVA ein Markenzeichen sein, aber BLUSH macht andere, abseitige Elemente der Klangwelt der Band deutlicher als je zuvor. In den letzten zwei Jahren hat Ella als Lime Zoda an Solomaterial gearbeitet und zwei Gedichtbände geschrieben, von denen sie viele als Grundlage für die Texte auf BLUSH verwendet hat.

Der Opener des Albums, „Untethered“, handelt davon, „in einer heterosexuellen Beziehung zu sein, die einengend und verschlossen ist“, erklärt Ella. „Es ist im Grunde ein Ausdruck von frustrierter Wut auf die Männlichkeit und der Unzufriedenheit darüber, dass man sich nicht aus dieser heteronormativen Situation befreien und die Welt nicht mehr erforschen kann. Andererseits ist „Untethered“ aber auch ist ein Moment des Zelebrieren der Freiheit, der aus dieser Häutung entstanden ist, wenn die Flucht in die Freiheit dann endlich mal wieder gelingt.

Der Track hat eine unbändige Energie, die es unmöglich macht, stehen zu bleiben, während sich die Themen Übergang, Freude und das Umgestalten negativer Situationen durch BLUSH ziehen. Ella hat während des Dauer-Lockdowns „jede Menge Therapie“ gemacht und viele wichtige Lebenssituationen bewältigt. „Ich fühle mich nun einfach glücklicher mit mir selbst und das war auch für die Songs sehr wichtig“, sagt sie.

PVA BadDad Credit Sebastian Kapfhammer 800
© Sebastian Kapfhammer

Das sieht auch Josh so. „Durch Ella kann ich auch mein Schwulsein ausdrücken.“ Er singt sowohl bei „Bunker“ als auch bei dem sägezahnartigen Industrial-Knaller „The Individual“, Songs, in denen es um Identität und die Charaktere geht, die wir in uns selbst sehen.

„Dieses Album erforscht definitiv, wer wir als Menschen sind“, sagt Josh. „Wir haben uns alle persönlich weiterentwickelt und auf dem Album geht es darum, dass wir uns erlauben, mehr wir selbst zu sein und uns damit wohl zu fühlen.“

BLUSH wurde während verschiedener Lockdowns geschrieben, eine harte Zeit für eine Band, die es gewohnt ist, die Grenzen ihres Sounds live auf der Bühne auszuloten. PVA lassen sich von den Widrigkeiten jedoch nicht unterkriegen. Wenn überhaupt, fühlen sie sich durch die erzwungene Distanz in ihrem Songwriting gestärkt. Ella schrieb Gedichte und lernte, Musik zu produzieren, Josh arbeitete mit anderen Künstlern als Produzent und Louis setzte sein Musikstudium an der City University fort und studierte unter anderem alte afrikanische Polyrhythmen.

„Wir hatten uns mit dem, was wir machten, auseinandergelebt und mussten wieder zusammenkommen“, erklärt Ella. „Wir hätten das Album auch einfach schnell raushauen können, aber ich bin wirklich froh, dass wir uns damit Zeit gelassen haben. Es fühlt sich viel mehr nach uns an.“

Das Album wurde von der Band zusammen mit ihren Freunden Ben Romans-Hopcraft und Jamie Neville über einen Zeitraum von zwei Wochen in Nevilles Studio in Südlondon produziert. Anschließend mischten sie das Album im FOLD, einem Club, der versteckt in einem Gewerbegebiet in Canning Town liegt. An einem Ort intim, am anderen industriell – das ist die Welt von PVA.

Für PVA war es wichtig, eine Welt zu schaffen, in der diese Songs nicht als getrennte Einheiten, sondern miteinander verbunden ihre Wirkung entfalten können. Im Laufe der Zeit haben sich die Songs verändert und sind mutiert. Das Ergebnis ist ein Album, das nach Aussen hin erstmal heftig und gigantisch klingen mag und den Hörer dann doch doch zutiefst persönlich berührt. Blush ist so gebaut, dass es an den Wänden jedes großen Veranstaltungsortes reflektierend abprallt, aber mit genug Persönlichkeit und Individualität ausgestattet ist, um das Epos der Audience leicht erschliessbar zu machen.

„Das Album hat ein Eigenleben entwickelt“, sagt Ella. „Es ist wirklich zu etwas geworden, das wir so eigentlich nicht erwartet haben“. PVA wollten die Leute da draußen überraschen und haben sich am Ende selbst in Erstaunen versetzt. Das Ergebnis, auch wenn es nicht erwartet wurde, ist eine wahre Offenbarung- und einees der besten Alben des Jahres 22. Eines der größten musikalischen Geschenke, die uns in in diesem Jahr gemacht worden sind.

Rating:
  • Resolution 24 Bits / 96 kHz
  • Höhen / Treble
  • Mitten / Mids
  • Bass
  • Räumlichkeit / Spaciality
  • Music
5

The Bottom Line

LORES ZEN286 PACKSHOT 800 See text! Maximum Score: 5 Stars  

Mein Testequipment:

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision

Read More

Teilen mit ...
Copyright © 2022 WaterDomeMusic Impressum + Datenschutzerklärung | Audioman Pro by Catch Themes