Johannes Brecht Trio: Disparaître – Brilliant Album – 2024

Review zu Johannes Brecht Trio – Disparaître – Album – CORE Records – 2024
Facts
cover 800 4

Artist: Johannes Brecht Trio
Country of Origin: Germany
Title: Disparaître
Format: Album, Stream, Download
Genre: Jazz, Experimental, Electronica
Label: CORE Records
Release Date: 28. Juni 2024
9 Tracks • 39m 45s

Hi-res 42

At qobuz available in Hi-res
24 Bits / 96 kHz – Stereo

UK-Flag 42

English translation? Click on the button in the
right sidebar or scroll down on mobile devices

Review

Am 28. Juni 2024 ist das Album „Disparaître“ des Johannes Brecht Trios bei CORE Records erschienen und ist auf allen bekannten Streaming- und Download-Plattformen erhältlich.

Seit mehr als zehn Jahren gilt er als einer der aufregendsten deutschen Elektro-Produzenten, nun ist Johannes Brecht bereit, von dieser Bildfläche zu verschwinden. Was nicht heißt, dass er aufhören wird, Musik zu machen. Im Gegenteil, er ist kreativer als je zuvor, tritt aber einen Schritt zurück, um seine Musik – und nur sie – in den Mittelpunkt zu stellen. Disparaître vollendet seinen Akt des Verschwindens – ein Album, auf dem sich Johannes Brecht mit seinem ehemaligen Jazz-Ensemble wiedervereint hat und sich nun als Soloproduzent im Verschmelzungsprozess des Trios verliert, um einen völlig neuen Sound entstehen zu lassen.

Rund 15 Jahre ist es her, dass Johannes Brecht, Antonio Farris und Matteo Capreoli das letzte Mal zusammen gespielt haben. Kennengelernt hatte sich das Trio in Stuttgart, wo sie sich durch ihre gemeinsame Affinität zum Jazz sofort verbunden fühlten und sich jeden Sonntagabend zum Proben oder zu Auftritten in Bars und Konzertsälen trafen.

Später gingen alle getrennte Wege – Matteo widmete sich mit seiner Akustikgitarre seiner Karriere als Singer/Songwriter, Antonio spielte Keyboards für Reggaebands und Johannes bahnte sich seinen Weg in die Welt der elektronischen Musik: lange Zeit als Teil der Diynamic-Label-Familie, wo er für seine eleganten und meisterhaften Produktionen viel Lob und Auszeichnungen erntete. All das geschah vor Disparaître – „wir hatten kaum Kontakt, aber irgendetwas wollte, dass ich wieder die Hand ausstrecke“, sagt er.

Johannes Brecht

Disparaître ist das Ergebnis der Wiedervereinigung des Johannes Brecht Trios. Drei Tage lang trafen sich die Musiker in den Berliner Brewery Studios und drückten während ihrer Jam-Sessions einfach auf „Aufnahme“. „Wir haben vorher ein paar Tracks ausgetauscht, die wir gerade hörten, hatten aber keinen Plan, was wir machen wollten. Es war alles sehr locker“, sagt Johannes. Die ersten Momente dienten dazu, sich gegenseitig neu kennenzulernen, die Stile und Sounds der anderen wiederzuentdecken und sich über das Leben an sich auszutauschen.

Und wenn auch die Sehnsucht nach der traditionellen Jazzbandformation der Auslöser für die Entscheidung zur Wiedervereinigung war, so lag für die reifer gewordenen Musiker zweifellos etwas Neues in der Luft.

Johannes‘ Fähigkeiten als Produzent unterstützten die neu entstandenen Synergien – am Mischpult sitzend, pegelte, loopte und steuerte er die Signale der beiden anderen Musiker und durchdrang so die akustischen Instrumente mit allen Möglichkeiten der elektronischen Musik.

Es folgte ein langer Post-Produktionsprozess, in dem das Trio seine Ideen und Soundwanderungen in neun Tracks experimenteller elektronischer Jazzmusik goss.

Die Single „Call me Monday“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Welten der elektronischen Musik und des Jazz auf Disparaître nahtlos ineinander übergehen. Der treibende Beat spiegelt die Techno-Attitüde des Tracks wider, aber die sich darum windende Instrumentierung bleibt dem Live-Setup treu, mit einer organischen Struktur und Instrumenten, die spontan aufeinander reagieren und miteinander „sprechen“. „Der Track ist live sehr gut spielbar, ich kann mir ein sehr energiegeladenes Set damit vorstellen“, sagt Johannes.

The Bottom Line

Wir leben in einer schwierigen Zeit des Umbruchs und des Neubeginns. Und Johannes Brecht hat diese Situation für sich genutzt: Zurück zu den Wurzeln und mit offenen Augen und Ohren in die Zukunft. Das hat nichts zu tun mit nostalgischer Romantik oder der Sehnsucht nach einer Vergangenheit, in der angeblich alles besser war.

Es ist vielmehr die Besinnung auf das, was uns ausmacht, was wir gemeinsam erarbeitet haben und wie wir es sinnstiftend in eine neue akustisch elektronische Welt der Zukunft transportieren können. Und das ist Johannes Brecht mit seinen alten neuen Mitstreitern Antonio Farris (Fender Rhodes) und Matteo Capreoli (Drums) hervorragend gelungen. Herausgekommen ist ein Sound, der sich mit Experimental, modernem Jazz und Electronica umschreiben lässt – GoGo Penguin hatten dafür einst den Begriff Acoustic Electronica geprägt.

Ich will euch hier nicht mit abgedroschenen Vergleichen langweilen, aber ich möchte euch sagen, welche Assoziationen mir beim Hören von „Disparaître“ in den Sinn kommen, da werden Erinnerungen wach an Hania Rani vor allem mit ihrem Album „Home“ von 2020, dann die schon erwähnten GoGo Penguin, eben mit dem gleichnamigen Album von 2020 oder auch das grandiose Portico Quartet mit dem gewaltigen Album Monument von 2021 („Utraviolet“).

Aber bitte, das sind keine Vergleiche, die ich hier anführe, Vergleiche hinken – immer. Sondern es sind Ideen, die in mir entstehen, wenn ich „Disparaître“ gehört habe, was ich mir mal wieder unbedingt noch einmal anhören sollte.

Mit „Disparaître“ haben Johannes Brecht und sein Trio ein hervorragendes Werk geschaffen, das uns zu neuen musikalischen Ufern führt. Man dreht sich um und schaut über den Ozean der Musik, über den man gerade gesegelt ist, und hat eine neue, unheimlich schöne Wahrnehmung dessen, was man musikalisch liebt. „Disparaître“ hat eine starke bewusstseinserweiternde Wirkung, wenn man einen Blick auf die Möglichkeiten wirft, die uns offenstehen.

Als Anspieltipps seien „Spirit of Wings“ in Zusammenarbeit mit Lazarusman und der Titelsong „Disparaître“ genannt.

Das Album ist bei Qobuz und TIDAL in 24 Bit / 96 kHz in Hi-res erhältlich und klingt in jeder Hinsicht exzellent.

Rating
  • Resolution: 24 Bit / 96 kHz (Hi-res)
  • Höhen / Treble
  • Mitten / Mids
  • Bass
  • Räumlichkeit / Spaciality
  • Music
5

Zusammenfassung

cover 800 4

Listen & Buy

Mein Testequipment:

Studio 1:

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1 x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2 x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Cambridge DAC Magic Plus
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Sony X-700 4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB900 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Denon AVR-X3600H (Preamp Mode) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX-A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision
Teilen mit ...