Gretel Hänlyn – Slugeye – EP-2022

Review for Gretel Hänlyn – Slugeye – 7-Track EP – 2022
Facts about the EP
Gretel Hänlyn

Artist: Gretel Hänlyn
County of Origin: UK, London
Title: Slugeye
Format: 7-Track EP / Download, Stream
Label: VLF Records
Release Date: 05/05/2022
Genre: Alternativ und Indie
7 Tracks • 20m 42s

Hi-res 42

At qobuz available in Hi-res, Download
and Stream @ 24-Bit / 44.1 kHz, stereo

Hi-res 42

At Apple Music available in Hi-res,
Stream only @ 24-Bit / 44.1 kHz, stereo

UK-Flag 45

For the English translation of
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Über Gretel Hänlyn und ihre EP

Nach der Ankündigung ihrer ausverkauften ersten Headline-Liveshow hat Gretel Hänlyn ihre Debüt-EP “Slugeye” am 05.05.2022 über VLF Records veröffentlicht. Die EP enthält den bezaubernden Titeltrack “Slugeye”, das wunderschöne, filmische “It’s The Future, Baby”, die ausgelassene Selbstfindungshymne “Motorbike” und ihre neueste Single “Apple Juice” – einer ihrer bisher bekenntnisreichsten Songs, dessen Bandbreite, Emotionen und Fähigkeiten weit über ihr Alter hinausgehen. Dazu gesellt sich dann noch der neue Fokus-Track “In The Water”.

Obwohl sie noch am Anfang ihrer Karriere steht, hat Gretel bereits große Unterstützung von Clash, NME, Crack, Wonderland, The Independent, Fred Perry und The Line of Best Fit erhalten und wurde von Clara Amfo, Jack Saunders und Sian Eleri auf BBC Radio 1, Steve Lamacq auf 6Music und Jess Iszatt auf BBC Introducing vorgestellt. Die aufstrebende Künstlerin war auch als Sängerin auf der Single „2gether“ von Mura Masa zu hören, die inzwischen über 7 Millionen Mal auf Spotify gestreamt wurde.

Gretel Jay Izzard 800 1

Mit gerade erst 20 Jahre lässt sich die in London lebende Gretel Hänlyn alias Maddy Haenlein nicht in eine Schublade stecken. Ihr Sound ist zum einen eine Mischung aus Grunge dazu gesellt sich privat-apokalyptisches Zeug im Stil von Nick Cave und entspannten, mit absoluter Brillianz nach vorne drängenden Alternative-Power-Pop-Nummern. Thematisch und textlich glänzen Gretels Songs mit Schönheit, teils sinisterer Schönheit, selbst wenn sie in ihren Songs groteske Alltagssituationen zu gleichen Teilen punktgenau mit Licht und Dunkelheit, Dystopie und Fantasie verwebt.

Ihr Pseudonym leitet sich von einer Großtante ab, die auf einem Weingut in Deutschland aufgewachsen ist und zufällig auch Maddys Doppelgängerin ist. Als Tochter eines Schreiners und einer Künstlerin war Gretel während ihrer Kindheit ständig von Kreativität umgeben und ihr Stil ist von den Figuren ihrer prägenden Jahre inspiriert: eine Zusammenfassung von Nirvanas angstvollem Ansatz des alternativen Pop-Songwritings, den stimmlichen Qualitäten von Nico & The Velvet Underground und dem erzählerischen Storytelling von Nick Cave.

Das Ergebnis ist ihr eigenes, einzigartiges Klanguniversum, kohärent und voller schattenhafter Intrigen. Gretel Hänlyn ist eine Zauberin mit einer tief reichenden Stimme und einem immensen Stimmumfang – eine Zauberin und Künstlerin, die man im Auge behalten sollte.

Unterm Strich (diesmal sowas von ausführlich)

Manche Musik-Veröffentlichungen kommen in den Handel, Du kaufst Dir die Files, hörst kurz rein und mit einem Daumen hoch wendest Du Dich wieder anderen Sachen zu. Zwei Tage später, Du schaltest YouTube am TV ein und schauest bei ARTE Concert vorbei. Dort läuft gerade „Echoes with Jehnny Beth“ und sie präsentiert gerade … Gretel Hänlyn, Du schauest ein paar Minuten zu und plötzlich macht es … klick.

Gretel Hänlyn aka Madeleine Haenlein ist großartig, der Stimmumfang ist gewaltig, sie kann mit Ihrer Stimme ganz runter, rauchig und fesselnd, gaaanz runter in den Keller, aber auch ganz rauf auf der Stimmleiter. Dazu spielt sie eine (eine?- mehrere!) Gitarr(en) und hat eine unglaublich gute Band.

Nach dem ARTE Gig bist du minutenlang total geflasht, schließlich lässt Du den 7-Tracker auf der großen Anlage laufen und stellst fest, dass der Endmix in 24-Bit 44.1 kHz Hi-res über den gesamten Frequenz-Bereich exzellent klingt.

Gretel spiel auch überwiegend die Gitarre und den Bass, das Schlagzeug wurde programmiert, die Synthies und der ganze elektronische Kram (gut dosiert eingesetzt) stammt vom Produktionsteam um Mura Masa, ebenso wie die Gitarren und der Bass bei einigen weiteren Tracks. Insgesamt hat Mura bei der Produktion einen affengeilen Job hingelegt, Gretel mehr als nur genügend Raum zur Entfaltung eingeräumt, so müsste es eigentlich immer sein. Mura hat es geschafft, die Produktion zu veredeln, ohne die Kanten und Ecken, die Gretel dringend braucht, wegzuschleifen. Respekt, Mann.

Über Tage hinweg beschäftigst Du Dich nun mit den Texten intensiv. Gretel hat etwas zu sagen. Trifft Aussagen. Heile Welt Bilderbuchpanoramen, nee, das gibt es bei Gretel nicht, Gretel bringt die kleinen fiesen Alltags-Apokalypsen mit dem unsichtbaren analytisch lyrischen Skalpell wie unter dem Elektronenmikroskop auf den Punkt.
Das ist das Gute, Gretel, hat mit jedem Song was zu sagen – sie beschreibt die kleinen beschissenen Krisen, die Dich fertigmachen. Und das ist auch das fiese dran, denn wenn Du selbst gerade in der Krise steckst, kann es passieren, dass Gretel dir das Wasser aus dem gesamten Rhein in die Augen pumpt.

Doch der kleine Unterschied ist, dass Gretel Dir keinen Heile-Welt-Scheiß im weißen Kleid vor dem Piano erzählt. Nee. Wisst Ihr, Gretel ist da so gänzlich anders. Sie kann Dir die Augen öffnen, reicht Dir mit gehaltvoller textlicher Aussage die Hand und sagt: „Und jetzt, verdammt, nimm Deinen Arsch wieder hoch, Mann“.
Genau das bekommen diverse junge Artists, die von einem Ausbeuter-Label, das sich vorwiegend mit Jungstars befasst, gehijackt worden sind, schlichtweg nicht hin.

Gretel live 800

So macht es sich Gretel Hänlyn nun in meinem riesigen digitalen Archiv gemütlich (ja, ich streame und was gut ist, das kaufe ich auch – Könnt Ihr Euch auch gerne zur Angewohnheit machen). Und Gretel sortiert gerade in meinem Archiv die Reihenfolgen und Ranglisten neu.

Gretel fühlt sich in der digitalen Gesellschaft in meinem Archiv neben Acts wie King Hannah, Tess Parks, The Brian Jonestown Massacre, Nick Cave, Mark Lanegan, Cowboy Junkies, John Hiatt, Cracker oder John Mellencamp sichtlich wohl. Ich seh grad: Großmeister Bruce Springsteen hat sich in meinem Archiv gerade vor Gretel ehrfurchtsvoll verneigt. Kann ich vollkommen verstehen.

Und, liebe Kritikergilde, hört damit auf, Gretel in die Grunge-Ecke zu schieben. Sicher mag sie das Zeug, und Nirvana waren geil. Seh ich auch so. Aber vergesst nie, was die internationale Major-Industrie mit diesem Genre gemacht hat. Sie habe es ausverkauft, totverkauft, alles was lange Haare und eine tief hängende Gitarre um die Schultern geschlungen hatte, wurde dem Publikum als „the next big thing „verkauft. Ausschuss ohne Ende, der dann als Cut-Outs in massiven Beständen ab 1 € auf den Woolworth Grabbeltischen zu finden war.

Und das bitte darf Gretel Hänlyn niemals widerfahren.

So Freunde, das ist also mein letztes Review in der althergebrachten Form auf meiner Website waterdomemusic.de und in der verdünnten Form hier auf Instagram. Ich gönne mir jetzt eine Auszeit bis 18. November 2022, denn dann wird die neue Röyksopp mit dem Titel “Profound Mysteries III“ erscheinen und ich darf wieder offizielle darüber berichten, was mich sehr freut.

Dann will ich auch mit neuem Konzept und digitaler Instagram-Anbindung an WordPress wieder startklar sein. Und ihr werdet dann auf Instagram auch wieder Infos über neue Musik, neue Videos und heiße Acts lesen und hören können. Nur eben alles automatisiert, ich werde nie wieder auf dieser Plattform in Erscheinung treten, es sei denn, ich habe was mit Acts, Labels oder irgendeinem Management zu verhackstücken.

Und es gibt noch einen Unterschied zu Künstlern, Agenturen oder den Managementcompanies, die andauernd die Nähe zum Fan, zur Szene etc. propagieren, aber es nicht gebacken bekommen, auf Anfragen per Mail zu reagieren. Gretel reagiert IMMER in kürzester Zeit und gibt die Informationen durch, die man braucht.

Habt Ihr den Unterschied begriffen?

Ach, … soeben erfahre ich, dass es mit dem Track „2Together“ neues vom Gretel gibt, zu finden auf dem neuen Album „Demon Time“ vom Mura Masa, der die hier besprochene EP „Slugeye“ von Gretel auch produziert hatte. Und das Album von Mura Masa ist ein Knaller, ich brauche nur noch das vollständige EPK inkl. WAV-Files und ich schreibe dann ein Review und schiebe es irgendwie noch schnell rein… Mura, geht das okay?

Rating zu Gretel Hänlyn – Slugeye
  • Resolution
  • Höhen / Treble
  • Mitten / Mids
  • Bass
  • Räumlichkeit / Spaciality
  • Music
4.9

Unterm Strich

Slugeye final 800

 

 

 

Siehe Text!
(Unser Bewertungssystem erlaubt max. 5 Punkte)

Mein Testequipment:

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
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