GusGus: Mobile Home – 2021

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GusGus: Mobile Home – Album – Oroom – 2021

Genre: Electronica, EDM, Alternative, Indie

Intro

Das magische Datum ist endlich erreicht. 28. Mai 2021. GusGus aus Island veröffentlichen drei Jahre nach dem Release Ihres letzten Albums “Lies are more flexible” am Freitag, 28. Mai 2021, das neue 11. Album mit dem Titel “Mobile Home”. 25 Jahre ist die Truppe nun schon im Auftrag des göttlichen Elektronik-Sounds unterwegs und haben nie, aber auch wirklich nie, mit Ihren Releases den Zeitgeist aus dem Fokus verloren.

Mehr noch, von Release zu Release haben sich GusGus stetig weiterentwickelt und die elektronische Musik nachhaltig geprägt.

Mit “Mobile Home” haben GusGus wieder ein erstklassiges Electronic-Album abgeliefert, mit mehreren Ebenen elektronischer Klanglandschaften, diesmal gerne auch mal etwas poppy, vielleicht auch etwas kommerzieller, was jedoch kein negatives Urteil darstellen soll, da GusGus auch deutliche Spuren von Ambient, Darkwave, Dowtempo und Synthpop mit einfließen lassen – und das hochkreativ mit dem Einsatz modularer Synthies extrem lecker abgeschmeckt haben.

Mitunter frönt man auch alten Leidenschaften und es kommt etwas Depeche Moody daher (Original Heartbreak). Doch dies klingt keinesfalls altbacken, denn auch diesmal haben GusGus sich einer Frischzellenkur unterzogen und die unglaublich charismatische Margrét Rán von der isländischen Synth-Pop-Kapelle VÖK ins Langschiff geholt. Margrét Rán begeistert mit Ihrer immens ausdrucksstarken frischen Stimme auf der ganzen Linie.

2021 LineUp

GusGus aus dem Jahre 2021 bestehen also aus dem GusGus-Urgestein Biggi Veira, Gründungsmitglied Daníel Ágúst und Margrét Rán … und mit ehemaligen Bandkollegen Siggi Kinski und Stefán Árn, die sich um die visuelle Umsetzung kümmern, ist GusGus 2021 mit Sicherheit nicht einfach nur eine austauschbare Electronic Schrummel-Truppe, sondern hat sich zu einem unglaublich beeindruckenden Multimedia-Projekt auf aller höchstem audiovisuellem Niveau weiterentwickelt, was die Videos zu den ersten vier veröffentlichten Tracks “Stay The Ride”, “Higher”, “Our World” und last but not least auch “Love is Alone” eindrucksvoll belegen.

Zu den Video-Releases “Stay The Ride“, “Higher“, “Our World” habe ich bereits ausführliche Reviews veröffentlicht, klickt einfach auf die unterlegten Links und schaut’s es Euch näher an.

Das Video zum Track “Love Is Alone”

Das Video zu “Love is Alone” ist vor ein paar Tagen erschienen will ich Euch nicht länger vorenthalten:

Wie die drei Videos zuvor wurde auch “Love is Alone” von den Video-Produktions-Druiden und ehemaligen Bandmitgliedern “Árn & Kinski” produziert, die auch Videos für diverse andere Größen der Electronic Music Szene wie Aurora, Sigur Rós, Olof Arnald, Snow Patrol, Kiasmos oder auch Ólafur Arnalds überaus beeindruckend in Szene gesetzt haben. Unter diesem Link könnt Ihr Euch über die Arbeiten der beiden hyperkreativen Video-Produzenten informieren.

Das Album “Mobile Home”

Doch was genau stellt denn nun “Mobile Home” bei uns hedonistischen Konsumentenmenschen an?
… Stecken uns GusGus mit den neun kleinen Kurzgeschichten freundlich grüßend eine Message hinter den Spiegel?
…. Hängt über den 9 Tracks gar eine Botschaft?
…… Üben GusGus gar an uns allen Kritik?
…….. Betreiben GusGus gar Systemkritik?

Ja, das machen GusGus, keine Frage.

“Mobile Home” ist eine immersive Montage von Kurzgeschichten, die uns ein Echo von der ursprünglichen Bestimmung unserer Welt in den Gehörgang bläst; eine Bestimmung, die allmählich in Gefahr gerät, sich zwischen den omnipräsenten Bildschirmen unserer alltäglichen, elektronischen Ablenkung und unseres materiell hedonistisch egoistischen Bewusstseins mehr und mehr aufzulösen.

GusGus

GusGus operiert bei “Mobile Home” mit Metaphern und setzt mit meisterhaften Kompositionen und Arrangements sowie tiefgründiger Ideologiekritik blinkend flackernde Warnzeichen. Das jedoch niemals mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger, sondern immer schön locker und flockig und mit tiefschürfenden Basssequenzen, groovend und tanzbar mit sehr guter Bodenhaftung. Einerseits.

Die Tracks und Videos aus dem künstlerische “Mobile Home”- Kosmos senden uns kurze aber nicht weniger intensive dystopisch metaphysische Splitter-Massages, die vom antagonistischen Kampf der Realität und der bedrohlich virtuellen AR Fantasie erzählen.
Andererseits.
Anders ausgedrückt: “Mobile Home” serviert uns dystopische Tagträume von VR-Abenteuern, mit denen wir in der Realität ganz bestimmt nichts zu tun haben wollen.

“Mobile Home” wirkt mit seinen neun audiovisuellen und akustischen Kurzgeschichten wie ein bewusstseinserweiternder Trip – und das könnt Ihr nun gerne interpretieren, wie Ihr es wollt.
Auch wiederum andererseits.

Das Album erzählt von Isolation und Vereinsamung, von der Gefahren, die unsere vermeintlich heimeligen HighTech Komfortzonen für uns bereithalten (Higher) …

Von der Orientierungslosigkeit des modernen Menschen (Stay the Ride)…

Von unerwiderter Liebe und sehr zerbrechlichen Beziehungen zwischen Menschen (Original Heartbreak) …

Von den schönen Erfahrungen in unserer Jugend, wie z.B. das unbeschwerte Schlittschuhfahren auf den winterlichen Eisbahnen. Dies umgesetzt in die Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse in dieser unserer vermeintlich tollen Freizeitwelt (The Rink).

GusGus präsentiert uns mit “Mobile Home” ein enorm faszinierendes Electronic Album – Nachdenklichkeit, Tanzbarkeit und geniale Arrangements verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk. Mittlerweile dürfte ich “Mobile Home” mehr als 100 Mal angehört haben, und es nutzt sich nichts ab, gar nichts.
In einem längeren Gespräch mit einer guten Freundin habe ich heute gesagt, dass “Mobile Home” zum Besten gehört, was ich in den letzten zehn Jahren gehört habe. Und da ist was dran. Das stimmt. Irgendwie. GusGus is more Flexible. Then others.

Klangqualität

Das mir vorliegende Rezensionsexemplar kommt in 24 Bit / 96kHz daher und klingt fantastisch. Der Sound ist angenehm warm, präzise abgemischt mit extrem guter und weiter Bühnenabbildung und Ortbarkeit. Der Tieftonbereich ist satt und reicht ohne jegliche Dröhnerei sehr tief hinab. Die Mitten kommen stimmig und natürlich rüber, der Hochtonbereich glänzt mit Präzision und vermeidet jegliche aufdringliche Schärfe.

Bei Qobuz ist bislang nur die 16 Bit / 44.1 kHz Version gelistet. Aber es ja auch erst 1:29 h am 28.05.2021 in der Früh.

Epilog

Beinahe fünf Monate lang durfte ich GusGus mit meinen Reviews zu den Releases der Singles, EP’s und Videos bis hin zum Release des Albums “Mobile Home” begleiten – es war eine profunde, großartige Erfahrung, die unendlich viel Spaß gemacht hat. Am 19.02.2021 hatte ich mich direkt an die Band gewandt und gesagt, dass ich gerne über Ihre Releases berichten würde. Und ich wurde noch nie derart offen aufgenommen und derart intensiv bei meiner Arbeit unterstützt. Das gilt auch für die PR-Agentur Get:In, die mich mit Bergen von Informationen zu GusGus und den Releases unterstützt hat.

Ich danke Euch dafür.

Und nun?

Mit dem Release des Albums “Mobile Home” sind wir also erstmal am Ende … oder Anfang … auf jeden Fall aber im Bestimmungshafen angekommen. Doch nein, das Leben mit GusGus hört ja damit nicht auf.
Doch was wird aus der Zukunft?
Werden die Grünen am 26.09.2021 erstmal stärkste Partei bei der Bundestagswahl in Deutschland und wird Annalena Baerbock mit 40 Jahren die erste deutsche grüne Kanzlerin?
Bleibt Margrét Rán von VÖK fester Bestandteil des LineUps?
Was wird dann mit VÖK?
Kann ich beides haben?
Steigt Margrét Rán wieder aus und was mach’ ich dann?
Wer würde dann Margrét nachfolgen?
Anabel Englund? Jaaa …. wäre das nicht eine gute Idee?
Weiß nicht. So recht
Wird GusGus mit “Mobile Remix-Alben” das Feuer am Brennen erhalten?

Fragen über Fragen.

Doch erstmal servieren uns GusGus am Samstag, 29.05.2021 um 20.00 h CEST mit einer Live-Performance aller “Mobile Home” Tracks über die Plattform Moment House für 10 Öcken einen satten Nachschlag, den Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet. Buchen könnt Ihr den Event unter diesem Link.

Facts zu GusGus – Mobile Home

Artist: Gusgus
Title: Mobile Home
Format: Album
Label: Oroom
Release Date: 28. Mai 2021
Gnere: Electronic, Synth, Alternativ und Indie
9 Tracks • 37m 23s

Bezugsquellen
cd_silver_45

Bei Qobuz verfügbar in CD Quality 
16-Bit / 44.1 kHz – Stereo (24 Bit wird ggf. in Kürze nachgereicht)

Mein Test-Equiment

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision

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