Ya Tseen: Indian Yard – Album – 2021

Also available in ...: English (Englisch)

Ya Tseen: Indian Yard – Album -2021- Sub Pop

Genre: Alternative/Indie, Pop

„Indian Yard“ ist das erste Album von Ya Tseen, einer indigenen Formation aus Alaska, erschienen beim Sub Pop Label aus Seattle. Ya Tseen ist ein weiteres Pseudonym und Projekt des indigenen hochaktiven Künstlers Nicholas Galanin. Um sich dem Album „Indian Yard überhaupt nähern zu können, müssen wir uns erstmal mit Nicholas Galanin ausführlich beschäftigen, damit wir das Werk in den künstlerischen Gesamtkontext einordnen zu können.

Die Kurz-Bio:
Ya Tseen

Ya Tseen aka Nicholas Galanin lebt und arbeitet mit seiner Familie in Sitka, Alaska und beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der zeitgenössischen indigenen Kultur aus einem Blickwinkel, der durch die tiefe Verbindung zu seinem Land und seiner Heimat bestimmt ist. Seine Arbeiten sind geprägt von scharfer Beobachtungsgabe und beschäftigen sich mit den Schnittstellen von Kultur und Lebensentwürfen in Formen der Sprache, Bilder und Töne.

Galanins Werke sind von Natur aus politisch, offen, mutig und poetisch, gleichzeitig durchtränkt von kritischem Denken und dienen förmlich als kostbare Gefäße für Wissen, Kultur und Erfindungen. Galanin setzt sich mit der indigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinander, um so das absichtlich verdunkelte kollektive Gedächtnis neu zu stärken und die Barrieren für die Beschäftigung mit der indigenen Geschichte und die Weitergabe des Wissens darüber am Leben zu beseitigen. Seine Werke kritisieren die Kommerzialisierung der indigenen Kultur und tragen gleichzeitig zum kontinuierlichen Fortbestand der Tlingit-Kunst bei.

Er verwendet für die Erschaffung seiner Kunstwerke Materialien und Verfahren, die den weltweiten Dialog über das künstlerische Schaffen indigener Völker erweitern können und die Art und Weise, wie Kultur transportiert werden kann, beschreiben. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen und sind weltweit ausgestellt. Galanin ging bei den Schnitzmeistern in seiner Heimat in die Lehre, erwarb einen Abschluss als Bachelor of Fine Arts an der Londoner Guildhall University und seinen Master of Fine Arts an der Massey University in Neuseeland.

Nicholas Galanin über sich uns seine Kunst:

„Unsere Kultur ist in der Verbindung mit dem Land und meiner Heimat tief verwurzelt; wie das Land, so lässt sich auch die Kultur nicht begrenzen. Ich lasse mich  von Generationen der Tlingit- und Unangax̂-Kulturen inspirieren, die mit unserem Land, dessen Teil ich bin, tief verbunden sind. Aus diesem Blickwinkel heraus setze ich mich mit den zeitgenössischen Zustandsformen interkulturell auseinander. 

Mein Schaffensprozess ist ein ständiges Streben nach Freiheit und nach Visionen für die Gegenwart und die Zukunft. Durch den Einsatz indigener und nicht-indigener Technologien und Materialien widersetze ich mich der oberflächlichen Romantisierung, der kulturellen Kategorisierung und Begrenzung. Mit meiner  Arbeit widme ich mich Themen wie Anpassungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit sowie Überlebensstrategien, der grassierenden kulturellen Gedächtnislosigkeit bis hin zu Traumwelten, Erinnerungen, dem neuen Aufblühen der kulturellen Traditionen und der Verbindung zu unserem Land, der Natur und der Heimat sowie den Auswirkungen der Trennung davon“.

Das Album „Indian Yard“
Ya Tseen

Wer nun bei „Indian Yard“ ein verkopftes Weltmusik-Album erwartet, der ist ganz gewaltig auf dem Holzweg. Denn Ya Tseen haben hier ein wunderschönes, Pop-Album geschaffen, mit multidimensionalen elektronischen Ebenen, auf denen sich die Vocals und der Sound herkömmlicher Instrumente wie Bass, Gitarre und Schlagzeug sehr schön entfalten können. Der Hörer wird sogleich in den Bann des Albums gezogen, doch selbst als Pop-Album ist dieses Werk so gänzlich anders, als all das, was dieses Genre uns sonst so offeriert.

„Indian Yard“ ist reich an Emotionen und einem scharfen Gespür für Themen wie Liebe, Sehnsucht, Frustration, Schmerz, Revolution und Verbundenheit mit den zwingenden Ausdrucksformen eines indigenen Bewusstseins. 

Die energiegeladene Elektro-Soul-Kaskade von „Close the Distance“, das geschmeidige Funk-Feeling von „Get Yourself Together oder auch das das beharrliche Nachhallen von „Back in That Time“, das in Jupik gesungen wird: mit diesen 11 Tracks werden Galanin, Ya Tseen und die indigene Kunst im Allgemeinen in ein hyperaktuelles musikalisches Zwiegespräch mit Künstlern wie Moses Sumney und TV on the Radio, FKA Twigs und James Blake eingebunden.

Indian Yard ist ein tiefgründiges Werk der Befreiung und ein Akt des Protests, das sich mit den Wechselwirkungen von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Realitäten auseinandersetzt. In einer Anspielung auf Sun Ra heißt es im Track „Gently To The Sun“ so treffend: „Medikamente gegen einen Albtraum“ – und das ist eine treffende Beschreibung für ein Album, das ein dringend benötigtes Heilmittel gegen all das bietet, was uns heute individuell und auch alle Gesellschaften auf diesem Planten, unser aller Land und Heimat, entsetzlich plagt.

„Indian Yard“ ist keineswegs das erste Album von Galanin. Bis heute hat er unter verschiedenen Pseudonymen wie Silver Jackson und Indian Agent eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht und mit Artists wie Meshell Ndegeocello, Tanya Tagaq und Samantha Crain zusammengearbeitet. Und seit fast einem Jahrzehnt ist er auch Teil des revolutionär grenzenlosen Kunstkollektivs Black Constellation neben Shabazz Palaces und THEESatisfaction.

Diese Erfahrungen und seine Partnerschaften bringt Galanin in die gemeinschaftlich entstandenen Songs von Indian Yard ein. Das Album verbindet wichtige familiär private Aspekte mit aktuellen sozialen und ökologischen Gerechtigkeitsbewegungen, die zerstörerische Systeme beseitigen und einen neuen Aufbau einleiten wollen. Er teilte diese Konzepte mit seinen Bandkollegen Zak D. Wass und Otis Calvin III. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Mitarbeiter Benjamin Verdoes arbeiteten sie an der Entstehung des Albums.

In zahlreichen Sessions in Sitka und Seattle half eine Reihe brillanter Freunde wie Habazz Palaces, Nick Hakim, der indigene Sänger und Songwriter Qacung aus Alaska, um nur einige zu nennen – dabei, „Indian Yard“ in einen hochmodernen Pop-Wunderkatalog zu verwandeln.

Ich präsentiere Euch hier noch mal schnell das neuste Video von Ya Tseen, denn das transportiert die Message und den Spirit der Band besser als das schriftlich verfasste Wort.

Den hypnotisierenden Opener „Knives“ hat er zusammen mit „Portugal. the Man“ aus Alaska aufgenommen. Das mitreißende „Knives“ ist eine ebenso ansteckende wie mitreißend intensive Reflexion über das menschliche Verlangen. „At Tugáni“, ein Song, der nach Galanins jüngstem Kind benannt ist, ist ein Liebeslied, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. „Synthetic Gods“, das sich auf Verse von Shabazz Palaces und Stas THEE Boss stützt, ist eine klanglich höchst verführerische, spannungsgeladene Reflexion über die schwelenden Krisen und erzeugt den notwendigen Druck, um die Souveränität und die Kraft der indigenen Völker zu fördern und zu sichern.

The Bottom Line

Mit seinen strahlenden Klängen und eingängigen Hooks vermittelt Indian Yard gesellschaftspolitische Botschaften mit der Kraft von Protestsongs, verpackt in wunderschöne Popsongs mit nuancierten Reflexionen über menschliche Erfahrungen und Verantwortung, der wir gerecht werden müssen.  Indian Yard ist ein beeindruckendes Zeugnis der Menschlichkeit aus der Perspektive der indigenen Bevölkerung. Indian Yard wurde von einem der weltweit führenden indigenen Künstler geschaffen und ist ein intensives Signal bestehend aus Emotionen und Zusammengehörigkeitsgefühl. „Indian Yard“ ist in der Tat eines der besten Pop-Alben des ansonsten trostlosen Jahres 2021.

Nicholas hat mit seinen Mitstreitern ein faszinierend vielschichtiges 11-Track-Album an den Start gebracht, das zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Ansatz von Langeweile aufkommen lässt. Die Zeit verstreicht mit dem Abspielen des Albums rasend schnell; ebenso schnell stellt sich ein persönlicher Bezug zwischen dem Hörer und den Machern des Werkes her und man fühlt sich dazu aufgefordert, sich intensiver mit den Werken von Nicholas Galanin, seiner starken Message an die Welt und der indigenen Kultur auseinander zu setzen. Und wenn Du das getan hast, stellst Du plötzlich fest, dass ein unglaublich starkes ausfüllendes Gefühl in Deiner Seele Einzug gehalten hat.

Das Album ist bei Qobuz im Format 24 Bit / 48 kHz verfügbar und klingt ausgezeichnet. Der Klangeindruck ist durch eine sehr gute Räumlichkeit gekennzeichnet und kommt angenehm warm und weich daher, mit vorzüglichen Bässen, ausbalancierten Höhen und einem natürlich stimmigen Mitteltonbereich.

9.5

Overall

Music10
Format: 24 Bit / 48 kHz10
Räumlichkeit / Spatiality10
Höhen / Treble9.5
Mitten / Mids9.5
Bass / Bass9.5
Video (Sound + Picture)8

Facts

Artist: Ya Tseen
Title: Indian Yard
Format: Album
Label: SUB POP
Release Date: 30. April 2021
Genre: Alternative, Indie
11 Tracks • 40m 28s

Hi-Res

Bei Qobuz verfügbar in Hi-res
24-Bit / 48 kHz – Stereo

Mein Test-Equiment:

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision

Read More

Teilen mit ...

Einen Kommentar schreiben ist so was von cool