Röyksopp: Profound Mysteries – Album – 2022

Review zu Röyksopp: Profound Mysteries – Album – 2022
Röyksopp

Title: Profound Mysteries
Artist: Röyksopp
Country of Origin: Norway
Format: Album
Release Date: 29.04.2022
Label: Dog Triumph / Embassy One, Berlin
Genre: Electronica

Soundquality:

Hi-Res

At qobus (EU) and HD Tracks (USA) available in
24-Bit 44.1 kHz – Hi-Res – Stereo

UK-Flag 45

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Prelude
2014 – Eine Welt bricht zusammen

Es war Ende 2014. Die Norweger Svein Berge und Torbjørn Brundtland, besser bekannt als Röyksopp, gaben bekannt, nach sensationellen Album THE INEVITABLE END keine weiteren Longplayer mehr veröffentlichen zu wollen. Das kam (wohl nicht nur für mich) einem Erdbeben gleich, ein Ereignis in der Musikszene, das für mich vergleichbar war mit der Auflösung der Beatles im Jahre 1970, was ich noch „live“ miterleben durfte. Oder dem Tod von David Bowie im Jahre 2016.

RYXP Photo Stian Andersen 800
© Stian Andersen

Berge und Brundtland gaben zwar bekannt, dass man noch weiter Musik produzieren wolle. Doch mit den in der Folgezeit veröffentlichten LOST TAPES Series, die im Wesentlichen aus Singe-Releases bestand, konnte mich dann nicht mehr so recht anfreunden. Sicher werdet Ihr Euch fragen, warum ich der vorzeitigen Karrierebremse derat grüße Bedeutung beimesse.

Nun, ich glaube, Ihr solltet wissen, dass ich seit von 1979 bis ca. 1998 in diversen Plattenläden und auch bei der Musikindustrie gearbeitet hatte. Während dieser Zeit trieb ich ziemlich, so bis zur Jahrtausendwende ziellos durch einen Ozean von unendlich viel Musik verschiedenster Stilrichtungen, ohne jedoch Vorlieben für ein spezielles Genre oder gar einen bestimmten Künstler herausbilden zu wollen. Es gab allerdings bei mir immer eine gewisse Vorliebe für elektronische Musik beispielsweise von Kraftwerk, Tangerine Dream oder Klaus Schulze. Allerdings war das zu keiner Zeit ein Sound, der länger an meiner Seite weilen sollte. ©

Die frühen Jahre

Dies änderte sich so um das Jahr 2001, als das erste Studio-Album von Röyksopp mit dem Titel MELODY A.M. erschien, ein Longplayer, das von der internationalen Musikjournalie heiß gefeiert wurde. Der Sound, den uns Berge und Brundtland auf diesem Album boten, war eine ziemlich gelungene Mixtur aus Goldfrapp-Cerealien, die flockig locker mit einem allerbesten AIR-Milkshake abgestimmt worden sind – mit anderen Worten: eine echtes Überraschungsei mit feinsten Downtempo-Sounds aus skandinavischen Landen.

Schon mit diesem Debüt-Album war der Markenkern des Duo’s zu erahnen, die Kombination aus leicht quietschige Bullerbü Synthies wechselten mit knarrenden Backbeats und Tracks mit verträumt leicht melancholischen Vocal-Lines Stimme. Bereits hier zeichnete sich mit der Hinzunahme einer ganzen Reihe von Gastmusikern wie z.B. Those Norwegians, Drum Island und Kings of Convenience mit ein Merkmal ab, das zum prägenden Merkmal des Röksopp’schen Sounds werden sollte.

2005 kam dann mit dem Album THE UNDERSTANDING ein Werk, das meine Hörgewohnheiten nachhaltig verändern sollte. Da war erstmal der gigantische gute Track WHAT ELSE IS THERE mit den betörnenden Vocals von Karin Dreijer aus Schweden, der mit einem kräftigen Schuss Melancholie, einer immensen Dichte und jeder Menge Emotionalität einen wohligen Schauer den Rücken rauf und runter schickt. Dazu gibt es auch ein faszinierendes Video, dass Ihr Euch unbedingt anschauen solltet.

Das Album ist vollgepackt mit faszinierenden Tracks, die sich für immer in Deinem Gehörgang einbrennen werden, mal melancholisch neblig, mal mit der bekannten Bullerbü-Fröhlichkeit, mal mit treiben House Sounds und beinahe immer dancefloorfüllend.

2009 und 2010 erschienen dann JUNIOR und SENIOR, die man durchaus als schöfperische Einheit sehen kann. Zwei überaus gute Alben, die sich aber trotzdem nicht in meinem persönlichen Music-Diary verewigen wollten. JUNIOR punktet mit den Vocals von Robyn, Karin Dreijer, der brillianten Lykke Li und Anneli Drecker, das ganze Album ist sehr dancefloor-housig abgestimmt und bietet zudem jede Menge faszinierenden Electro-Pop. SENIOR hingegen kommt sehr düster und melancholisch daher, mit hakig, vertrackt treibenden Arrangements und multidimensionalen elektronischen Klangwelten.

Das Album THE INEVITABLE END

Am 16. November 2014 haben Röyksopp dann den ganzen großen Wurf hingelegt und mit THE INEVITALBE END ein Album der Superlative abgeliefert. Das Album ist musikalisch und inhaltlich unheimlich geschlossen, besticht mit grandiosen Arrangements und ist ein Meilenstein zeitgenössischer elektronischer Popmusik. Besser geht’s nicht. Der Track RUNNING TO THE SEA mit den Vocals von Susanne Sundfør ist von berauschend großer Schönheit.

The Inevitale End 800

I HAD THIS THING steht dem in nichts nach, RONG eignet mit den sich stets wiederholenden Lyrics (What the f..k is wrong with you?) als ideales Präsent für jede unpassende Gelegenheit.

Im Grunde gibt es auf diesem Album nicht einen einzigen Track, der nicht himmelhoch über all den andern Werken der neueren Elektronikszene stehen würde. Mit diesem unglaublich beeindruckenden Album haben sich Röyksopp für ewig hoch oben über den Mauern von Asgat wie ein Landmark für die Ewigkeit niedergelassen. Jeder Formation, jedem Produzenten moderner elektronischer Popmusik dient dieses Album als Wegweiser durch den unendlich großen Electro-Dschungel – und auch jedem Fan dieser musikalischen Gattung, so wie mir.

Als Svein Berge und Torbjørn Brundtland dann Ende 2014 verkündeten, dass keine weiteren Alben folgen würden. so war dies ein Mega-Gau, das konnte nicht wahr sein, das durfte einfach nicht passieren, ein Leben ohne die Sounds von Röyksopp, die wie niemand anderes für die immens hohe Kreativität der skandinavisch/nordischen Acts im Bereich moderner elektronischer Musik stehen.

Berge und Brundtland dürften den Weg für den riesigen Erfolg vieler Acts aus dem Norden bereitet haben, wie z.B. GusGus und VöK aus Island, Kiasmos (Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen) aus Island und den Färöern. Dazu gesellen sich nahtlos Lykke Li aus Schweden, die extravagante norwegische Produzentin Aurora mit ihren überaus beeindruckenden Live-Shows, das norwegische DJ- und Produzenten-Duo KREAM, die immer wieder mit überaus faszinierenden DJ-Sets vor der faszinierenden Naturkulisse Norwegens punkten können.

Der Tastenwizard KEBU aus Finnland soll nicht unerwähnt bleiben; eben sowenig sein finnischer Landsmann YOTTO, der 2018 mit dem Album „Hyperfall“ auf sich aufmerksam machen konnte und seitdem mit seinem Label „Odd One Out“ für intelligent ins musikalische Bild gesetzte elektronischen Dancefloor Sounds steht. Auch seine Videos vor der Naturkulisse Finnlands sind herausragend.

Review des neuen Albums PROFOUND MYSTERIES

Die von Röyksopp 2014 eingeschlagene Abkehr vom traditionellen Albumformat, um sich aus dessen Einschränkungen und zyklischen Limitierungen zu befreien, passte eine gewisse Zeit lang recht ganz gut zu ihnen. Doch in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre lebten Svein Berge und Torbjørn Brundtland ihre musikalischen Launen und Vorstellungen wohl doch etwas zu stark aus.

Indem die beiden die Musik zu einer etwas seltsamen Franz Kafka-Bühnenshow und auch zu Rick Rubins Star Wars Headspace-Compilation zugeliefert hatten, wurde all dies dann doch wohl etwas zu dröge. Insbesondere die spontane Veröffentlichung neuer Singles, die 2021 in dem THE LOST TAPES Sampler gipfelte, konnte die Fans nicht wirklich überzeugen. So war denn die überraschende Ankündigung neuer Musik in Form eines Albums erst einmal mit Vorsicht zu genießen, wenngleich die Erwartungen und die Freude der Fans natürlich riesig war.

Röyksopp

Wie jedes Röyksopp-Projekt sollte auch Profound Mysteries eine gewisse Eigenständigkeit aufweisen und doch irgendwie „anders“ sein, um sich vom Mainstream abzugrenzen. So beschlossen Berge und Brundtland jeden der zehn Tracks auf dem sechsten Album des Duos auch in ein audiovisulles Erlebnis zu transformieren.

Heraus gekommen ist nun dabei eine Reihe von audiovisuellen Artefakten und Musikvisualisierungen, die vom australischen Designer Jonathan Zawada entworfen worden sind. So entstand für die Tracks eine beinahe schon unheimlich erscheinende musikalische Leinwand und Bühne, die vielleicht dunkler und eindringlicher ist als alles, was das Duo bislang veröffentlicht hat.

Einziger, aber entscheidender Nachteil: am Stück genossen (ich stelle Euch das Gesamtvideo im Folgenden hier zur Verfügung) lassen sich – anders als bei der akustischen Veröffentlichung – gewisse Langeweile-Symptome nicht verheimlichen. Wirklich neu war das ganze zudem auch nicht, GusGus hatten im Rahmen der Veröffentlichung des Albums „Mobile Home“ im Jahre 2021, bei dem das befreundete isländische Top-Video-Produzenten-Team Arni & Kinski die audiovisuelle Gestaltung übernahm, deutlich effektiver hinbekommen.

Aber das Album für sich betrachtet ist allerdings schon überaus faszinierend. Der Opener „(Nothing But) Ashes…“ ist apokalyptisch und unwirklich zugleich und setzt einen weiteren, breit auswuchernden dramatischen Unterton, der sich in „The Ladder“ fortsetzt, einem Instrumental im akustischen 16:9 Format mit einer verhalten herunter gebremsten Midtempo-Chatakteristik.

Die Hinzunahme von Alison Goldfrapp für die Übernahme der Vocals in dem Track „IMPOSSIBLE“ war wirklich schon mehr als ein Glücksgriff. Alison passt bestens in das musikalische Konzept des Duos, mit anderen Koryphäen aus deren musikalischem Kosmos wie Robyn und Susanne Sundfør zusammenzuarbeiten.

Weitere Neuzugänge im der Röyksopp-Welt sind die Sängerin Beki Mari („This Time, This Place…“), ehemals Mitglied der französischen Gruppe Nouvelle Vague, dazu die britische Künstlerin Pixx („How the Flowers Grow“) und die Norwegerin Astrid S („Breathe“).

Auch die Wiederaufnahme einer alt eingesessenen Kollaboration aus der Vergangenheit vermag auf der ganzen Linie zu überzeugen: Susanne Sundfør übernimmt erneut den Vocal-Part bei dem melancholisch verzauberndem Track „If You Want Me“. Dieses herausragende Stück Musik hebt die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit beider Parteien extrem eindrucksvoll hervor.

Unterm Strich:

PROFOUND MYSTERIES ist zwar weniger experimentell extravagant als das eine oder andere Vorgängeralbum, hat jedoch allergrößte Chancen, um mit der mystisch nordischen Atmosphäre eine neue Röyksopp-Euphorie auszulösen und den Hörer erneut über lange Zeit an sich zu fesseln. Doch auch hier gilt die alte Röyksopp-Regel, dass deren Alben sich dem Hörer zuerst nur langsam, Stück für Stück öffnen wollen, dann jedoch für eine immens lange Zeit im Leben eines Fans präsent sind.
Röyksopp sind wieder da – und alles wird gut.

Das Album liegt in 24 Bit / 44.1 kHz vor und klingt über den gesamten Frequenzbereich exzellent, mit exzellent natürlichen Höhen und einem organischen Mittenbereich. Die massiv tief hinabreichenden Bässe werden jedoch nur in der 24 Bit-Variante absolut sauber abgebildet, MP3 und die 16 Bit 44.1 kHz-Variante (Apple Music und Tidal) klingen alles andere als befriedigend. Gleiches gilt für die Detailauflösung und die ebenso für die räumliche Darstellung.

Rating for Röyksopp – Profound Mysteries – 2022 – Album
Profound Mysteries 800
Format: 24 Bit / 44.1 kHz
Treble / Höhen
Mids / Mitten
Bass
Spacilality / Räumlichkeit

Summary

Max: 5 Points

4.7
Listen to it:

Mein Test-Equiment:

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision
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