IDLES: Crawler – Album – 2021

IDLES: Crawler – Album – 2021 – Partisan Records

Genre: Alternative, Post-Something

Über das Entstehen des Albums:
IDLES

Eines Nachts beobachtete der IDLES-Frontmann Joe Talbot vom Fahrersitz seines Autos aus, wie ein Motorradfahrer auf der Autobahn mit fast 130 Meilen pro Stunde (ca. 209 km/h) an ihm vorbeirast.

Der Fahrer war nur Zentimeter davon entfernt, in Talbots Auto zu krachen. In diesem einzigartigen Moment, in dem die Zerbrechlichkeit von Leben und Tod so offenkundig dargestellt wurde, begann Talbot damit, über seinen eigenen Lebensweg nachzudenken und die prägenden Momente darin aufzuzeichnen, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne.

„Ich habe einen Autounfall erlebt“, sagt er. „Ein Süchtiger zu sein, ist ein Teil von dem, was ich jahrelang war. Diesen Motorradfahrer zu sehen, fühlte sich wie der Beginn einer neuen Geschichte an – eine Reflexion über die Sucht auf eine vergebende, einfühlsame und mitfühlende Weise. Sich selbst den Raum zum Atmen und Verzeihen zu geben, aber auch die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Diese Gabelungen in der sprichwörtlichen Straße des Lebens und die Konsequenzen, die sich aus der Wahl des richtigen Weges ergeben, bilden das erzählerische Rückgrat von „CRAWLER“, dem vierten IDLES-Album innerhalb von 4 Jahren und dem Nachfolger von „Ultra Mono“ aus dem Jahr 2020, dem ersten Nr.-1-Album der britischen Band. War „Ultra Mono“ in den Worten von Gitarrist Mark Bowen „eine Art Karikatur unserer Identität, die uns half, sie mit all ihren Fehlern zu sehen“, so ist „CRAWLER“ ein Album der Reflexion und Heilung inmitten einer weltweiten Pandemie, die die kollektive mentale und physische Gesundheit des Planeten bis zum Zerreißen belastet.

Talbot sagt: „Wir wollen, dass Menschen, die ein Trauma, Herzschmerz und Verlust erlebt haben, das Gefühl haben, dass sie nicht allein sind. Dieses Album zeigt die hässliche Seite dessen, woher diese Dinge kommen, aber auch, wie es möglich ist, aus diesen Erfahrungen wieder Freude zu gewinnen.“ Er fügt hinzu: „Vor seiner Ermordung wusste Trotzki, dass Stalins Männer kommen würden, um ihn zu töten. Er wusste, dass er sterben würde.

Was hat er getan? Nachdem er seine Frau im Garten beobachtet hatte, schrieb er in sein Tagebuch: ‚Trotz allem ist das Leben schön‘. Eine Woche später bekommt er einen Eispickel in den Kopf. Er war einfach nur glücklich, in seinem Garten zu sitzen und der Person, die er am meisten liebte, dabei zuzusehen, was sie liebte. Ich denke, das ist eine schöne Sache.“ CRAWLER‘ ist für Talbot wie sein Charakter in der düsteren Wärme seiner Sucht – ein Crawler eben, ein Nacht-Crawler, jemand auf seinen Knien, jemand, der betet, jemand, der überlebt. Die Charakterlosigkeit  der Situation. Das Gewicht der Welt, das Dich in den Staub zwingt. Das alles ist ein ‚Crawler‘.“

Doch erstmal genug der Rede. Schaut Euch erstmal das neue Video von KEXP an, inkl. des Interviews:

Video: IDLES Live on KEXP
About some Tracks:

In der Tat reichen diese Geschichten auf „CRAWLER“ von buchstäblichen Autounfällen (der düstere, spannungsgeladene Opener „MTT 420 RR“, „Car Crash“) über das Tanzen mit zufälligen spanischen Männern in vergeblichen nächtlichen Versuchen, die Party im Club am Ende der Welt am Laufen zu halten („When the Lights Come On“), bis hin zu aufmüpfigen Geschichten über harte Arbeit, das Setzen von Zielen und wie man diese verwirklicht, egal wie aussichtslos sie auch erscheinen mögen („Crawl! „, „The Beachland Ballroom“, ein ehrlicher Soul-Song mit großartigen, ergreifenden Vocals von Talbot).

Talbot sagt: „Bei diesem Album habe ich versucht, mehr Geschichten zu erzählen als je zuvor und poetischer zu sein, was meiner Meinung nach auf eine eher ironische Art und Weise aufrichtiger ist, als wenn ich versuche, so schroff und geradeheraus wie möglich zu sein.“ Bowen sagt weiter, dass diese neue abwechslungsreiche Palette dem Album das Gefühl einer echten gemeinsamen Reise gibt: „Ich hielt es für wichtig, in der ersten Hälfte des Albums viele Songs unterzubringen, die sich direkt mit Trauma und den unmittelbaren Reaktionen darauf beschäftigen. Später kommen dann die eher heftigen Sachen – nämlich die Erkenntnis und der Umgang mit ihr.“

IDLES
© Tom Hammed

„Eines der wichtigsten Dinge beim Schreiben dieses Albums war, dass wir experimentieren und unser Songwriting weiterentwickeln wollten“, sagt Bowen. “ Wir mussten jedes Mal, wenn wir das taten, überlegen, wie wir das nagehen wollen. Ein wirklich wichtiger Aspekt unserer Identität als Band ist der Humor und dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen. Selbstverständlich beschäftigen wir uns mit ernsten Themen, aber oft mit einem Augenzwinkern.

Diese Geschichten werden durch die bisher mit Abstand emotionalste Musik von IDLES zum Leben erweckt, aufgenommen unter der Aufsicht von Produzent Kenny Beats (Vince Staples, Freddie Gibbs). Und natürlich gibt es zahlreiche Momente, die im Herbst 2021 in einem vollen Konzertsaal für absolutes Chaos sorgen werden, wie der verzerrte Glamrock von „The Wheel“, der 30-sekündige Grindcore-Schlag vor den Kopf durch den Track „Wizz“ und der ungelenke, alles pulverisierende Bass- und Schlagzeug-Groove von „The New Sensation“.

Aber es gibt auch frische Klangskizzen und Experimente, mit denen IDLES bisher fremdes Neuland betreten, wie die Marschkapellen-Hymne „Stockholm Syndrome“ und „Progress“, beides als eine Art „Mantra der Erkenntnis“, das Körper und Geist auf eine Weise beruhigt, wie bislang nur bei wenigen IDLES-Songs der Fall gewesen ist.

Bowen, der die Platte gemeinsam mit Beats produziert hat, sagt: „Kenny hat ständig Fragen gestellt: ‚Was ist ein Crawler?‘ ‚Warum machst du das hier?‘ Er hat die Dinge durch diese Fragen verifiziert, und wir mussten so unsere Vorstellungen auf den Punkt bringen und herausfinden wie wir das sinnvoll erklären können. Wenn Kenny und ich über Musik sprechen, dann betrachten wir das Ganze eher aus der Sicht des Hip-Hop oder der Elektronik. Das Schlagzeug ist das Wichtigste. Das Wichtigste weil es knallen und mitreißen  muss.

Oftmals habe ich Zweifel an den eher isolierten, esoterischen Songs. Kenny würde sagen: ‚Warum nehmen wir das noch einmal auf? Lass uns einfach das Demo nehmen. Das Demo hat das richtige Feeling. Ihr braucht hier nichts anderes.'“

„Ich sehe uns nicht wirklich als ‚Rockband‘ und die Arbeit mit Kenny hat uns von den Genre-Schubladen befreit“, schwärmt Talbot. „Bei diesem Album haben wir unser Ego durch Kennys bescheidene Art und seine Bereitschaft, zu lernen, überwunden. Seine Leidenschaft, den bestmöglichen Song zu machen, ist grenzenlos. Und es ging dabei nie um den besten ‚Rock‘-Song, sondern um den bestmöglichen Song überhaupt, egal, welchen Song wir an diesem Tag gerade skizziert hatten. Das ist etwas, was wir schon immer gewollt haben.“

Er fährt fort: „Es war dieses eigensinnige Verfassen der Songs, das alles erst möglich gemacht hat. Reflektieren. Ureigene Geschichte erzählen. Und nicht versuchen, die Geschichte von allen anderen zu erzählen. Ich versuche nicht, die Welt zu reparieren – ich spreche nur darüber, wie ich meine eigene repariere.“

The Bottom Line:

Crawler von IDLES ist ein sprichwörtliches Mega-Album. „Wenn die Welt um Dich herum zusammenbricht, und Du liegst im Dreck mit blutigen Knien, wenn Du alles und jeden verloren hast – IDLES werden immer da sein und für Dich spielen. Und Du kannst Deine Frustration, Deine Verzweiflung und Deinen Hass herausschreien. Bis das Licht für immer ausgeht“, so habe ich kürzlich auf Instagram geschrieben. Soll heißen: Crawler ist ein Album, wie es in einem Jahrzehnt vielleicht nur einmal erscheint, ein Album, bei dem alles stimmt: Arrangements, Produktion, vertrakte Lyrics, exquisite Instrumentalarbeit und eine Abmischung, wie sie kaum besser sein kann (Dass man sich allerdings die native 24.96 Version kaufen muss, um sie besprechen zu können, ist allerdings seitens Pias ein schlechter Witz).

Noch mal zu den Lyrics und den Arrangements: die Lyrics sind knochenkart und Ihr könnt sie nehmen, um sie auf jede noch so beschissene Situation in Eurem Leben anzuwenden. Die Wortwahl, die Wortspiele sind vieldeutig, Ihr müsst sie eigentlich ständig hinterfragen – und damit bekommt das Ganue einen intellektuellen Zuschnitt. Anderseits ist der Sound, die Arrangements, der Gesang, böse, zornig, kritisch wie nichts anderes, was ich in den letzten zwo Jahren gehört habe. Doch IDLES lassen Dich nie in der Wüste allein zurück, sie fangen Dich letztendlich auf, wenn Du Gefahr läufst zu stürzen und zu fallen, fallen, fallen.

IDLES sind wirklich gute Menschen, nicht edel, nein, das nicht – aber ehrlich. Sie haben eine Message, stehen für etwas, haben eine Meinung.- ja, ich weiß, klingt seltsam… Auf jeden Fall machen Sie echt geilen Sound. Nie, Niemals. Niemals in meinem Leben habe ich daran geglaubt, dass IDLES mich jemals komplett überzeugen könnten.
Crawler ist der definitive Soundtrack zu diesen dunklen Zeiten, zu dieser nicht enden wollenden Pandemiebedrohung, IDLES sind für Euch da, wenn Ihr mit ihnen Euren Frust rausschreien wollt – Immer…

Facts zum Album

Artist: IDLES
Title: Crawler
Format: Album/File
Label: Partisan Records
Release Date: 12. November 2021
Genre: Alternativ und Indie
14 Tracks • 46m 28s

Hi-Res

Bei Qobuz verfügbar in Hi-res
24-Bit / 96 kHz – Stereo

Mein Test-Equiment:

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision

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