Blooy – Elegies to Spring (EP) – 2021

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Blooy – Elegies to Spring – 4-Track EP – 2021 – SINE MUSIC

Genre: Lo-Fi, Chillout, Electronica

Am Freitag, 16. Juli 2021 erscheint die lang erwartete 4-Track Debut-EP von Blooy bei SINE MUSIC. Betitelt ist das Werk mit dem epischen Werknamen “Elegies to Spring”. Doch in welche Gefilde will uns der gebürtige Niederländer Blooy, mit bürgerlichem Namen Frank Wijn, mit dieser Headline entführen?

Nun, was uns zunächst auffällt, ist das ungemein geschmackvolle Cover, dass uns signalisieren will, “hier kommt etwas sehr Geschmackvolles, etwas Edles, sehr Gediegenes auf uns zu.”

Und genau das ist es auch. Blooy serviert uns hier Lo-Fi Sound, völlig egal, ob man das nun in die Chillout- oder Hip-Hop Kiste einsortieren möchte. Stile und Genres sind gerade im Falle von Blooy völlig unerheblich. Sicherlich passt die Musik von Blooy nahezu perfekt in das Soundspektrum von SINE MUSIC, das von Ambient-Klängen bis hin zu Downtempo und herunter gebremsten Dancefloorsachen reicht.

Die Tracks

Und doch fällt Blooy mit seinem Sound völlig aus dem Rahmen, denn er verzichtet dankenswerterweise auf Elektronik-Materialschlachten, beschränkt sich auf das Notwendigste und kreiert so einen ureigenen Sound mit immens hohem Wiedererkennungswert. Lo-Fi hat nichts mit minderwertiger Musik oder gar schlechtem Klang zu tun. Sicherlich nutzt Blooy hier, wie beispielsweise in den Tracks “Demain Dès Làube” und “Aeon” Gimmicks wie Rauschen und Knacken von der guten alten LP, um den Sound antiquarisch klingen zu lassen. Doch all dies wird mit Studio-Equipment auf allerhöchstem Niveau eingespielt.

“Demain Dès Làube” (“Morgen, im Morgengrauen”), der zweite Track auf der EP, ist im Übrigen ein ausgesprochen hippes, faszinierendes Stück Musik und basiert auf einem wunderschönen Gedicht des französischen Dichters Victor Hugo aus dem Jahre 1849. Die ersten zwei Strophen des Gedichtes werden von einem französischen Sprecher beigesteuert, den Blooy über die Plattform Fiverr gefunden hat. Dies war ein absoluter Glücksgriff, denn der sonore Klang seiner Stimme passt genau zur Stimmung, die der Track ausstrahlt. Worte und Musik bilden eine perfekte Einheit, beides lässt den Zuhörer in Gedanken und Melancholie versinken.

Für den Piano-Sound verwendete Blooy ein hochwertiges Klavier von Native Instruments. Die Noten hat er sehr leise gespielt, um diesen stimmigen, ‘gedämpften’ Sound zu erhalten. Um den ‘antiken’ Sound zu erreichen, hat Blooy verschiedene Plugins wie Heavy EQ, Kompression, Vinyl- und Retro-Effekte, die eine antiquarische Sound-Patina liefern. Die Akkord-Layer bestehen aus einem Mellotron, einem arpeggierten Retro-Synthesizer und zwei Streicher-Layern am Ende des Songs, die das Ganze zu einem verhaltenen gestalteten Höhepunkt zu führen. Im letzten Teil hat Blooy einige Melodica-Sequenzen live eingespielt.

Lo-F hin, Chillout her – “Demain Dès Làube” ist für mich der beste Track der EP, die vertonte Lyrik kommt im Gewand melodischer Minimal Music und klassischer Neuinterpretationen daher, wie es zuvor Christian Löffler und auch Thylacine aus Frankreich schon erfolgreich praktiziert haben.

Über den Opener der EP, die Single-Auskopplung “Carousel” brauche ich nicht mehr viel Worte zu verlieren. “Carousel” ist ein überaus gelungenes Paradebeispiel für modern und intelligent arrangierten Lo-Fi Hip-Hop Chillout Sound und weckt den Hunger nach mehr. Die Single “Carousel” habe ich bereits hier besprochen, Ihr findet dort auch weiterführende Infos zu Lo-Fi Hip-Hop.

Auch der dritte Track “Aeon” vermag sehr zu gefallen, hierbei ließ sich Blooy ein Stück weit von seinen New-Wave-Wurzeln aus dem vorigen Jahrhundert inspirieren (verdammt sind die achtziger Jahre wirklich schon so lange her?). Allerdings brauchte ich eine Weile, um hier mit einschlägigen Beispielen aus der düster melchancholischen New Wave-Scene fündig zu werden.

New Wave war für mich nie ein Genre – dafür war “Wave”, wir damals sagten, einfach viel zu breit gefächert – sondern war eher die Bezeichnung für eine Zeitgeist-Periode beginnend in den frühen 80er Jahren. Aber Blooy hat durchaus recht, “Aeon” weckt durchaus Assoziationen zu Tracks wie “Henry Lee” von Nick Cave (Murder Ballads, 1996), “Seventeen Seconds” von The Cure (Seventeen Seconds, 1980) oder auch Joe Jackson’s “Not Here, Not There” vom fantastischen Album “Body and Soul (1984).

Aber Vorsicht, ich spreche nicht von “Das klingt wie”, sondern ich spreche von Assoziationen, die der Track “Aeon” weckt, was ungleich höher einzustufen ist. Aeon ist wie Kurzsoundtrack, der längst vergangene Zeiten musikalisch untermalt.

Die genannten Tracks findet Ihr in dieser Playlist:

Last but not least kommen wir zum vierten und letzten Track “Love is Wise” der EP. Der Track ist eine wunderschöne Downtempo-Nummer, die auf einer repetitiven Piano-Melodie basiert. Meisterhaft zaubert Blooy hier bei einer Laufzeit von eben mal 2:53 min einen wunderschönen musikalischen Spannungsbogen.

Fazit

“Elegies to Spring” habe ich sehnlichst erwartet – und das Warten hat sich gelohnt. Blooy präsentiert uns 4 außergewöhnliche Klangbeispiele aus seinem überaus eigenen, aber sehr faszinierenden Soundkosmos.
Die Musik von Blooy ist wie ein guter Freund, den Du immer wieder gerne zu einem ausgiebigen Frühstück im Frühling auf der Terrasse einlädst.
Und wir freuen uns schon auf das Album, das demnächst in eine erdnahe Umlaufbahn einschenken wird.

Klangqualität
Format: 24 Bit / 44.1 kHz09/10
Räumlichkeit:09/10
Höhen:10/10
Mitten:10/10
Bass:10/10
Total:9,6/10
Facts zu “Elegies to Spring”:

Artist: Blooy
Title: Elegies to Spring
Format: 4 Track EP
Label: SINE MUSIC
Release Date: 16. Juli 2021
Genre: Lo-Fi, Chillout, Electronica
4 Tracks • 13m 16s

Hi-Res

Bei Qobuz erhältlich in Hi-Res
24-Bit / 44.1 kHz – Stereo

Mein Test-Equiment

Studio 1 (High End):

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