Blooy: Carousel (2021)

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Blooy: Carousel – Single – Sine Music – 2021

Genre: Electronic, Lo-Fi Hip-Hop, Chillout, Sommer- Sonne-Musik

Und wieder liegt mal ein Sine Music-Release auf dem Tisch, von dem Electronic-Label aus Villigen-Schwennigen im Schwarzwald, mit dem ich am liebsten zusammenarbeite. Die Macher dort sind großartig und die Acts, die dort unter Vertrag stehen, sind unglaublich offenherzig – als Redakteur bekommst Du unkompliziert jegliche Unterstützung, die Du benötigst, kein Wunsch wird leichtfertig abgetan. Da darf sich das eine oder andere Label oder auch so manche PR-Agentur aus der Bundeshauptstadt gerne mal ‘ne Scheibe von abschneiden.

Blooy – der Künstler
Blooy

Blooy aka Frank Wijn aus Amsterdam in den Niederlanden wurde als Sohn des namhaften Konzertpianisten Jan Wijn die Musikalität schon in die Wiege gelegt. Nachdem Frank sich als Kind schon mit Klassikern wie Chopin, Ravel oder auch Saint-Saëns auseinandersetzen durfte, erwachte in seinen Teenager-Jahren das Faible für experimentellen Jazz und malträtierte daraufhin das Schlagzeug. In den Folgejahren starte Frank in der New Wave Band “The Primrose Path” und übernahm dort die Voclas und die Drums.

Der zuweilen düstere Wave-Sound prägte Frank nachhaltig und inspiriert ihn bis zum heutigen Tag. In den neunziger Jahren stand dann ein Wechsel zum House-Genre an und zusammen mit dem Produzenten und Komponisten Dorian Broekhuyse realisierte Frank einige Dancefloor-Projekte. Angekommen im 21. Jahrhundert wurde der musikalische Stil in Richtung Chillout erweitert, zusammen mit Dorian brachten sie das “Bardo State” Projekt voran, mit dem sie mit wunderschön harmonisch melancholischen Laid-Back-Arrangements, ein wenig im Nu-Classical verortet, international einiges Aufsehen erregen konnten. Insbesondere ihre Interpretation des David Bowie/Pat Metheny-Songs “This is not America” aus 2008 lässt bei mir immer noch Gansehaut den Rücken rauf- und wieder runterlaufen.

Dann kam im März 2020 mit der Pandemie die “Lange Dunkle Zeit”. Doch anstatt sich zu Hause zu verbarrikadieren und Trübsal zu blasen, nutzte Frank die Zeit und brachte sein neues Soloprojekt unter dem Namen “Blooy” nach vorne. Wie sagte doch John Digweed so treffend: “It’s a very good time to get productive in the studio. Make some great tracks and remixes, keep your fans updated with useful info on what you’re up to and stay the f–k indoors”.

Blooy’s Herz schlägt nun mal für das musikalische Experiment und mit Lo-Fi Hip-Hop wie auf der neuen Single “Carousel” rennt er damit bei mir natürlich offene Türen ein.

Doch wir sollten erstmal kurz abhandeln, was denn Lo-Fi in der Musik eigentlich ist, denn es klingt von der Bezeichnung her betrachtet verwegener und stranger, als es nun eigentlich ist.

Der Begriff Lo-Fi

Lo-Fi bezieht sich auf Musik, die entweder mit simpler technischer Ausrüstung aufgenommen wurde oder die so klingt, als wäre die Aufnahme mit einer solchen Ausrüstung gemacht worden.
Die musikalische Qualität der eigentlichen Songs wird durch das Aufnahmeverfahren nicht beeinträchtigt, darum ist Lo-Fi nicht gleichbedeutend mit minderwertiger Musik. Die eingesetzten Studiogeräte und elektronischen Instrumente entsprechen im Sinne einer bewusst “retro” gehaltenen Sound-Ästhetik (orientiert an historischen Vorbildern) oft nicht dem aktuellen Stand der technischen Entwicklung.
Insbesondere Lo-Fi Hip-Hop ist eine überaus spannende Geschichte.

Lo-Fi Hip-Hop

Unter Lo-Fi Hip-Hop versteht man (etwa ab 2017) ein Subgenre des Hip-Hop bzw. der elektronischen Musik, das sich stilistisch im Bereich des Easy Listening oder Chillout ansiedelt und sowohl ruhige, langsame als auch entspannende Musik umfasst, die zudem als “Lernmusik” für das Hören im Background beworben wird, selbiges wird insbesondere auf zahlreichen Youtube-Kanälen als “beats to relax/study to” bezeichnet.

Die Verknüpfung mit dem Aspekt technischer Einfachheit kann (muss aber nicht) bei zahlreichen Titeln in einem eher verrauschten Klangbild und dem Eindruck analoger Technik auch bei der Klangerzeugung bestehen. Neben dem Rauschen kann die Tonhöhe nach Art eines Magnetbandes mit einer nicht konstanten Vorlaufgeschwindigkeit wechseln.

Grundsätzlich müssen bei Hip-Hop folgende Massgaben erfüllt sein: Hip-Hop hat typischerweise Tempi zwischen 70 und 120 bpm, während House mit 110 bis 140 bpm schneller ist. Der Großteil aller elektronischen Tracks basiert auf einem 4/4-Takt.
Bei “Carousel” ist der 4/4 Takt gegeben, die BPM dürften bei ungefähr 75 liegen, demnach handelt es sich “Carousel” also zweifelsfrei “Lo-Fi Hip-Hop”.

Die Single Carousel

Auf oben genannte Lo-Fi-Sperenzchen, wie Rauschen oder LP-Knacken verzichtet Blooy dankenswerterweise vollständig. Nach eigener Aussage verwendet Blooy eine Menge Lo-Fi-Samples von verschiedensten Aufnahmen-Quellen, kombiniert mit Retro-Synthesizern und Lo-Fi-Processing, um den Retro-Lo-Fi-Sound zu kreieren. In dem Track ist Blooy auf der Melodica zu hören – ein Harmonika-Instrument, das mittels Hineinblasen zum Klingen gebracht und über eine Klaviatur gespielt wird, – das jedoch im Klang modifiziert worden ist, sodass es “wackelig” und leicht dissonant klingt. Und so glaubt man, hier und da ein Mellotron oder gar ein Akkordeon heraushören zu können.

Gegen Ende des Tracks verzaubert uns Blooy noch mal mit wunderschön relaxten Jazz-Gitarrenlinien, die fein angehauchte Erinnerungen an meine alten Jazz-Fan-Zeiten mit Lee Ritenour & Co. wachwerden lassen.

Unter dem Strich ist “die Single “Carousel” ein überaus gelungenes Paradebeispiel für modern und intelligent arrangierten Lo-Fi Hip-Hop Chillout Sound und weckt den Hunger nach mehr. In Kürze folgt eine zweite Single von Blooy auf Sine Music, gefolgt von einer EP und schließlich wird das Album voraussichtlich im ersten Quartal 2022 veröffentlicht werden.

Fazit

Carousel von Blooy – Musik zum Zurücklehnen und Wegträumen, chillig eben – ideal für lange Bahnfahrten mit Musik im Ohrhörer, oder für heiße Sommertage an einem schattigen Plätzchen im einsamen Park – oder für jemanden wie mich, bei dem die Temperaturen in der Altbau-Dachwohnung heute mal wieder auf über 30 Grad gestiegen sind.

Klangqualität

Die Aufnahme liegt bei Qobuz in Hi-res mit 24 Bit / 44.1 kHz vor und glänzt mit einem enorm luftigen Klangbild, präzisen Höhen, die niemals einen Hauch zur Schärfe haben und einem soliden, tief hinabreichenden Bassbereich. Unter technischem Aspekt ist hier gar nichts Lo-Fi, vielmehr liegt hier exzellenter Hi-Res High-Quality Sound vor, der für die Kopfhörer-Fans mit exzellentem Equipment geradezu prädestiniert ist.

Facts zu Carousel von Blooy

Artist: Blooy
Composer: D.F. Wijn
Title: Carousel
Format: Single
Label: SINE MUSIC
Genre: Electronic, Lo-Fi Hip-Hop, Chillout, Sommer- Sonne-Musik

Hi-Res

Bei Qobuz verfügbar in Hi-Res
24-Bit / 44.1 kHz – Stereo

Mein Test-Equiment

Studio 1 (High End):

  • 2 x System Audio SA Mantra 50 (front)
  • 1x System Audio SA Mantra 10 AV (center)
  • 2x System Audio SA Legend 5 (Rear)
  • 1 x System Audio Saxo 10 (Subwoofer)
  • 4 x Onkyo SKH-410 (B) (Dolby Atmos)
  • Auralic Altair (Audio Streaming Client mit max. 32 Bit / 384 kHz)
  • NVIDIA Shield Pro mit Plex, Kodi (max 192 kHz für  Audio, Tidal (MQA Streaming Client)
  • AppleTV 4K (Streaming Client) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Amazon Cube 4K (Streaming Client) Dolby Atmos (restricted), HDR, Dolby Vision
  • Panasonic DP-UB9004 (4K UHD Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Oppo UDP-203 (4K Ultra HD Blu-ray Disc Player) Dolby Atmos, HDR, Dolby Vision
  • Yamaha CX-A5100 (Preamp) 4K, Dolby Atmos, Hi-res
  • Yamaha MX -A5000 (Power Amp)
  • Sony KD-55A1 (TV) 4K OLED, HDR, Dolby Vision

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